Wieso Messdaten für aktuelle Gaming Monitore nie zu 100% korrekt sein können

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Eine kurze Erklärung, wieso Messdaten für aktuelle Gaming Monitore nie zu 100% korrekt sind bzw. nicht für das komplette Panel gelten (nur bei Ausnahmen wie OLED oder sehr hochpreisige Grafiker-Monitore)

Moderne Hardware für Kalibrierungen bestehen oftmals aus einem Sensor, der in der Mitte des Monitors platziert wird. Bereits an dieser Stelle fängt das Problem bereits an. Abgesehen davon, dass ein Monitor sich in der Ausleuchtung von Modell zu Modell unterscheidet, ergeben Messdaten an unterschiedlichen Punkten bzw. Bereichen des Monitors unterschiedliche Ergebnisse. Das ist auch der Grund, warum unterschiedliche Reviews im Internet immer unterschiedliche Messergebnisse haben und weiterhin auch haben werden. Beim ASUS PG278QR hatte ich in der Bildmitte beispielsweise eine Aufhellung (Clouding in form von Banding-Steifen) und dementsprechend einen schwächeren Kontrast. Auch würden hierfür unterschiedliche RGB Farbraumanpassung vorgenommen werden als an einer anderen Stelle des Monitors um einen Wert im Weißpunkt von beispielsweise 6500K (Tageslicht) zu bekommen.

Um ein Monitor perfekt einzustellen müsste man in der Theorie entweder:
1. Den Monitor in "X" Messpunkte (beispielsweise 12) über den ganzen Bildschirm hinweg verteilen und daraus einen durchschnitt ermitteln welcher für alle Messungen gilt (Kontrast, Farbtemperatur etc). Hier hätte man allerdings wieder das Problem, dass man nicht zu nah an den Rändern gehen dürfte, da diese mit einer Edge-Led Variante viel Helligkeit verlieren.
2. Es müsste ein Messgerät existieren welches die Bildfläche des gesamten Monitors misst (gibt es momentan so nicht und wäre auch sicherlich sehr sehr sehr teuer).
3. Sehr hochpreisige Monitore (vor allem für Grafiker). Diese sind in Gegensatz zu Gaming Monitoren auf andere Parameter konzipiert bzw. optimiert worden. Auf einem Gaming Monitor hat man beispielsweise deutlich mehr Schwankung in der Helligkeit (keine stabilen Werte). Bei Grafikmonitoren beispielsweise wird die Helligkeit des Panels mittels eines Sensors permanent und mehrfach in der Sekunde überprüft und nachgeregelt. Das ist relativ aufwendig und teuer, weshalb bei den „Standardmonitoren“ auf solch eine Funktion in der Regel verzichtet wird.

Was ist der Sinn dieses Threads?
- Messungen werden von Review zu Review immer abweichen. So lange wir keine OLED Monitore haben (oder direct LED), werden Abweichungen immer bestehen.
- Ich werde immer versuchen im mittleren Bereich des Monitors zu messen und wenn Clouding besteht das Messgerät ggf. immer um ein paar wenige Centimeter verrücken (Da man sonst falsche Messwerte erhält)
- Man sollte nicht immer nur auf Messdaten achten und im zweifel den Reviewer des Monitors fragen wenn starke Abweichungen im Kontrast entstehen. Beispiel: Asus PG278QR hat mit dem bloßem Auge einen besseren Schwarzwert als der Dell S1627DG. In den Messwerten hatte beide Monitore den gleichen Schwarzpunkt. Erst einmal wieder frustrierend, habe ich den Asus PG278QR abfotografiert und Stellen in der nähe der Mitte des Bildschirms rausgesucht welche nicht von Clouding betroffen waren. Resultat: Messergebnisse ergeben mehr Sinn.

Wozu sind dann noch Messungen bzw. auf welche Messungen sollte ich mehr bzw. weniger achten?
Messungen sollten generell als grobe Richtlinien dienen, hier ein Überblick welche Messungen mehr und weniger aussagekräftig sind.

Sehr aussagekräftig:
Ufo-Testbilder: Beachte hierbei, dass der Unterschied zwischen 1 Ms und 4 Ms bei Testbildern in Gegensatz zu Spielen deutlicher erkennbar ist
Subjektiver Bildeindruck im Schwarzwert
Coating (Oberflächenbeschichtung des Panels)
Blickwinkel (Bei Farben bzw. hellen Bildinhalten sowie bei dunklen Bildinhalten)

Richtwerte:
Helligkeit ULMB: Ich habe gelernt, dass die Helligkeit generell immer relativ stark (bis 50 cd/m2) von Monitor zu Monitor abweichen kann. Ob ihr nun 400 oder 450 cd/m2 bei einem Monitor habt ist relativ egal, wo es auffällt ist bei der Helligkeit der ULMB Funktion (im unteren Helligkeitsbereich). Der Unterschied ist dann ziemlich ersichtlich ob man auf 110 cd/m2 oder auf 140 cd/m2 während der ULMB Funktion kommt. Leider, leider, leider...
Kontrast: Der Kontrast kann immer etwas abweichen, da eine kleine Aufhellung am Messpunkt reicht um den Kontrast um 100:1 zu verschlechtern. Deshalb solltet ihr euch nicht nur die Messwerte ansehen sondern auch auf den subjektiven Bildeindruck aus den Reviews betrachten.
Schwarzpunkt: Das gleiche aus dem Kontrast gilt hier für den Schwarzpunkt. Beim Schwarzpunkt kommt noch die Blickwinkelstabilität im Schwarzbereich hinzu + die Oberflächenbeschichtung oder andere Technologien wie z.B. Quantum Dot. Bei Quantum Dot hat man beispielsweise aus meiner Erfahrung ein leichtes schimmern im Schwarz bei bestimmten Blickwinkeln.
Delta E Farbabweichungen: Auch hier wieder das üble Problem, da es sich hier um Angaben in sehr geringen Abweichungen handelt, kann der Monitor an einer Stelle des Monitors ganz andere Werte haben als an andere.
Bildhomogenität (Farben und Helligkeit): Weichen von Monitor zu Monitor ebenfalls ab

Weniger aussagekräftig:
Clouding, Banding, Backlight Bleed, IPS Glow(?) - Diese können von Monitor zu Monitor (leider) immer abweichen. Das betone ich in allen Reviews und wenn ich ein schlechtes Panel erwische, bedeutet es nicht zwangsläufig, dass ihr auch davon betroffen sein werdet. Ich werde parallel dazu immer viele Reviews und Bewertungen lesen um ein grobes Gefühl zu bekommen, wie häufig jeweilige Probleme bei bestimmten Herstellermodellen auftreten. Auch bedeutet es NICHT wenn ich ein gutes Panel erwische, dass andere Leute auch das Glück haben werden.
Standardeinstellungen: Diese weichen von Monitor zu Monitor teilweise stark ab. Auch die Farbtemperaturen aus den Voreinstellungen können stark abweichen.
Optimale Monitoreinstellungen: Dadurch dass jeder Monitor Abweichungen hat, sind optimale Monitoreinstellungen totaler Blödsinn. Wenn ihr euren Monitor perfekt einstellen wollt, kommt ihr um ein Messgerät leider nicht rum. Es gibt aber bereits ab 200€ vernünftige Messgeräte, falls ihr das Optimum aus eurem Monitor rausholen möchtet. Es wird sicherlich Monitormodelle geben die mehr und mal weniger abweichen.

Alle anderen Dinge wie OSD Menü, Verarbeitung etc. erklären sich in der Aussage und Bewertung natürlich von selbst.

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